7. Tagung der VdS-Fachgruppe 'Kleine Planeten' 
vom 4. bis 6. Juni 2004 in Essen  
 
 

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Kleine Planeten für große Praktiker

von Markus Griesser


Und wieder waren sie gekommen, aus nah und fern, aus Deutschland die meisten, doch auch Österreich, die Niederlande und die Schweiz waren vertreten: 41 Kleinplanetler trafen sich am diesjährigen Juni-Vollmond-Wochende 5./6. Juni 2004 in der Walter Hohmann-Sternwarte in Essen. Obwohl der Juni bekannt ist für seine Tage der Schafskälte, war es diesmal sehr kalt, sozusagen saukalt. Doch die über dem Ruhrpott manchmal bedrohlich tief hängenden Wolken mochten die sonnigen Gemüter der Kleinplaneten-Freunde nicht zu beeinträchtigen. Im Gegenteil: So fühlte man sich im sehr gut gefüllten Vortragsraum in engem Kontakt mit dem Nachbarn zur Rechten und zur Linken erst so richtig wohl...

Blättern in 25 erlebnisreichen Beobachtungsjahren

Den wiederum sehr bunten Vortragsreigen eröffnete mit Erich Meyer aus Linz ein treuer und besonders wertvoller Gast jeder Tagung. Doch für einmal hatte der ebenso sympathische wie erfahrene Österreicher keinen verschollenen NEO-Exoten mit verbogener Bahn aus der Himmelsleinwand gekitzelt. Vielmehr liess er seine aufmerksamen Zuhörer teilhaben an einen statistischen Rückblick auf mittlerweile 25 reich befrachtete Beobachtungsjahre mit vielen „Up’s“ und nur wenigen „Down’s“. Erich Meyer gehört damit wohl zu den so ziemlich erfahrendsten Astrometrikern. Dies dokumentierte er mit farbenfrohen Grafiken ebenso wie mit nüchternen Zahlen: So hat er bis Ende 2003 insgesamt 6.105 Positionen von 528 Asteroiden und 118 Kometen ans MPC geschickt. Kein Rekord zwar, doch mit bisher 131 „eigenen“ Minor Planet Circulars, ausgelöst durch oft äusserst gewagte und arbeitsintensive Re-Coveries von Erdkreuzern, ist der Linzer Beobachter sogar weltweit eine Ausnahmeerscheinung und bringt auch gestandene Profis immer wieder zum Staunen. Dabei arbeitet der Linzer heute noch immer mit einer „hoffnungslos veralteten“ CCD des Typs ST-6!

Ein Apollo wird gefunden...

Mit Reiner Stoss kam einleitend gleich ein weiterer, sozusagen eherner Wert der VdS-Kleinplanetengruppe zu Wort. Der junge Mann, der in Darmstadt Maschinenbau studiert, gehört zu jenen Ausnahmetalenten, die es schon in jungen Jahren verstehen, sich mit qualifizierten Beiträgen Respekt und Anerkennung in einem Fachgebiet zu verschaffen, in dem sich normalerweise alleine die in Ehren ergrauten Cracks aus der Profi-Szene tummeln. Beim weltoffenen Reiner Stoss kommt aber noch jene höchst sympathische Eigenschaft dazu, dass er mit der ihm eigenen Ernsthaftigkeit für jeden Sternfreund allzeit ein offenes Ohr hat und über E-Mail sozusagen rund um die Uhr Fragen beantwortet. Sein Spitzname „Reiner, who never sleep!“ ist sogar beim Minor Planet Center bekannt - und manchmal wohl auch gefürchtet. Trotzdem ist es nicht selbstverständlich, dass er sich neuerdings auch noch in die Bildung von hochtalentierten jungen Menschen aus östlichen Ländern einbringt, leitete er doch in den Sommerferien 2003 in der „Sommer Scool of Astronomy“ in Visnjan, Kroatien, die NEO-Fachgruppe. Und mit welch sensationellem Erfolg: So entdeckten die jungen Leute den Apollo-Asteroiden 2003 QA auf einer Aufnahme, die eigentlich auf den NEO (2100) „Ra-Shalom“ zielte. Wegen Waldbränden in Kroatien musste die Gruppe zeitweilig auf eines der Internet-gesteuerten Teleskope auf Mallorca (Station 620) ausweichen. Reiners Schüler zeigten mit diesem tollen Fund, dass man mit etwas Glück und gutem Sachverstand wenigstens zwischendurch den scheinbar so übermächtigen Surveys eine lange Nase drehen kann.

Mit Hilfe der Parallaxe gelang es dann der Gruppe, noch vor der offiziellen Confirmation den aktuellen Erdabstand ihres Objektes „slyone“ auf 0.26 AU zu bestimmen. Somit konnte es sich eigentlich nur um ein Apollo-Objekt handeln.  Diese sensationelle Entdeckung passte dann so ganz zu den Aussagen von Reiner Stoss, dass es im Interesse von Ausbildungs-Projekten wohl besser ist, eine grössere Zahl von internetgesteuerten Billig-Teleskopen an guten Standorten zu platzieren, als zwei 2-Meter-Lichtriesen, wie sie der englische Mäzen Faulkner kürzlich auf Hawaii und Australien installieren liess.

„Warme“ Kleinplaneten

Bereits im Jahre 1800 entdeckte William Herschel die Infrarotstrahlung im Sonnenspektrum. Doch erst etwa ab 1960 kam die Infrarotastronomie so richtig in Schwung, da nur ein kleiner Teil dieser Strahlung die Erdatmosphäre durchdringt. In einem spannenden, anderthalbstündigen Vortrag und mit vielen Beispielen aus dem praktischen Alltag erläuterte Dr. Thomas Müller, wissenschaftlicher Mitarbeiter am MPE Garching, die Methoden, mit denen heute und in Zukunft kosmischen Kleinkörper erkundet werden. Überraschenderweise senden auch kalte Körper, wie beispielsweise Asteroiden, intensiv IR-Strahlung aus. Ja man könnte im Infraroten sogar viele Asteroiden mit blossem Auge sehen! Blöd für uns Astrometriker wäre einzig, dass wir im IR keine Referenzsterne für die Positionsmessungen mehr hätten...

Die bisher erzielten Resultate wurden mit ausserordentlich groben Kameras mit nur vier bis neun Pixeln erzielt. Trotzdem sind die Ergebnisse sehr aufschlussreich, wie Thomas Müller aufzeigte. Heute sind anhand von Spektralanalysen gerade bei den grossen Asteroiden Aussagen möglich geworden zur mineralologischen Zusammensetzung zumindest auf der Oberfläche. So wurden bisher schon Kohlenstoff, Carbonate, Olivine, Pyroxene usw. in Zusammensetzungen nachgewiesen, wie man sie auch in vereinzelten Meteoritenfunden auf der Erde entdeckt hat. Die Möglichkeit besteht deshalb, dass diese speziellen Meteoriten auch von den jeweiligen Asteroiden stammen. Deshalb hat die IR-Astronomie ein neues Forschungsgebiet eröffnet: Die Astro-Mineralologie! Doch auch präzise Aussagen zur Grösse von Asteroiden sind im IR-Bereich möglich, wie Thomas Müller am Beispiel des Asteroiden „Itokawa“ (1998 SF36) erläuterte: Sein aus dem Helligkeitsparameter H abgeleitete Durchmesser wird mit 300 bis 700 m angegeben. Eine einzige Messung mit einem Grossteleskop im IR-Bereich und das daraus abgeleitete Modell grenzte diesen vagen Wert auf präzise 340 m ein.

Momentan sind gleich mehrere grössere IR-Teleskope für einen Satelliteneinsatz geplant, so auch das europäische Projekt HERSCHEL, das 2007 mit einem 3,5-Meter-Spiegel ins All geschickt werden soll. Der Referent arbeitet für dieses Projekt an einer Kamera. Doch ob auf dieser grossen „Wärme-Sehmaschinen“ dann auch Beobachtungszeit für Asteroiden beansprucht werden kann, bleibt abzuwarten. Bisher wurden jedenfalls die Asteroiden von Infrarot-Astronomen sehr, sehr stiefmütterlich behandelt.

Wie „Okkultisten“ Asteroiden beobachten

Er habe im Unterschied zu vielen Anwesenden erst im „recht hohen“ Alter von 41 Jahren zur Astronomie gefunden. Heute sei er ein Okkultist, bemerkte Dr. Eberhard Bredner in seiner Einleitung. Natürlich rückt er in dieser Eigenschaft heute keine Tische und beschwört auch keine Geister, doch als Mitglied der International Occultation Timing Association - European Section (IOTA-ES) hat er mit seinem rund 100 kg schweren, voll-mobilen Equipment schon mehrere Sternbedeckungen durch Asteroiden mitverfolgt. Wenn dies mehrere Dutzend Beobachter an verschiedenen Standorten tun, kann aus allen Beobachtungen die Form des Asteroiden erstaunlich genau abgeleitete werden. Voraussetzung ist, dass die Zeitpunkte des Erlöschens und Wiederauftauchens des Sterns auf Sekundenbruchteile genau ermittelt werden. Dies geschieht heute in der Regel mit Video-Aufzeichnungen, in denen die genaue Zeit, entweder vom Sender DCF-77 oder von einem der vielen GPS-Navigationssatelliten, eingeblendet ist.

Dr. Bredner erläuterte an einem Beispiel, wie er im schönen Burgund, in Frankreich, an einer solchen Bedeckung mitgearbeitet hat. Wichtig sei, dass man sich genügend Zeit gönne, die Ausrüstung sauber aufzustellen und dann auch wirklich den richtigen Stern zu finden, denn alles konzentriere sich danach auf einen einzigen Zeitpunkt. Der Referent lud weitere Beobachter dazu ein, aktiv mitzumachen und nannte gleich eine nächste Gelegenheit: Am 10. März 2005 bedeckt der Asteroid (209) Dido den Stern HIP 59732. Nähere Informationen und laufend verbesserte Karten mit den Finsterniszonen sind jeweils bei der IOTA erhältlich.   

Umbau einer Webcam

Man benötige nur einen verregneten Sonntagnachmittag, behauptete der junge Thomas Payer, um den vorhandenen Chip einer Philips TOUcam durch einen empfindlicheren Schwarz-weiss-Chip von Sony zu ersetzen. Da die beiden 3 x 4 mm winzigen Chips pin-kompatibel sind, sei das Aus- und Einlöten keine Sache, bemerkte der diesjährige Gastgeber der Kleinplanetentagung und trat gleich den Tatbeweis an: Zu einer prächtigen Aufnahme der Saturnmonde bemerkte er, dass der neue Chip an seinem 12,5-Zöller der Walter-Hohmann-Sternwarte bis zur etwa 12. Magnitude reiche, also gut 1,5 m tiefer als der alte Chip der Webcam. Im Vergleich zu den klassischen Video-Aufnahmegeräten wie Mintron und Watec erziele er so mit dieser kostengünstigen Lösung deutlich tiefere Reichweiten. Allerdings braucht man einen sehr leistungsfähigen Rechner, um die grossen Datenmengen einer Webcam zu speichern. Dass diese Lösung auch bei Sternbedeckungen funktioniert, bewies der junge Referent mit einer sehr schönen Beobachtung am vergangenen 23. März: Als einer der wenigen Beobachter in weitem Umkreis konnte er die Bedeckung des Sternes HIP 72388 durch den Asteroiden (1024) Hale dokumentieren.

Sternbedeckung durch einen Kleinplaneten

Und gleich nochmals um eine Sternbedeckung ging es dann im kurzen Referat von André Knöfel. Der heute wieder bei Berlin lebende Wetterfachmann beobachtete zusammen mit Gerhard Lehmann am 26. August 2003 die Bedeckung des Sterns TYC5757 durch den Asteroiden (42) Bertholda. Zum Einsatz kam vor einem staunenden Publikum der 180mm-Refraktor der Sternwarte Drebach (113), eine Mintron-Kamera und als Zeitgeber eine Vorabversion des Cuno Time Inserts GPS-Garmit. Aus den vielen Beobachtungen in Gesamteuropa  konnte dann sehr schön die einförmige Form und auch eine Grösse von 130 x 170 km des Asteroiden abgeleitet werden.

Gewachsene Fachgruppe

Gerhard Lehmann, der rührige Obmann der Fachgruppe Kleinplaneten, wies in seiner statistischen Rückschau auf seine bisherige Amtszeit insgesamt beeindruckende Erfolge aus. So ist die Fachgruppe auf heute stolze 61 Mitglieder angewachsen. Die 38 beim MPC akkreditierten Stationen der FG lieferten seit 1992 bis heute rund 73.000 Positionsmessungen ab und realisierten 850 Neu- oder Wiederentdeckungen von Asteroiden.

Gerhard Lehmann lud die Tagungsteilnehmer zur verstärkten Mitarbeit auch im publizistischen Bereich ein, so beispielsweise für den Rundbrief der Fachgruppe sowie für das VdS-Journal. Dieses vierfarbige Magazin findet bei den Lesern eine ausgezeichnete Aufnahme und ist auch eine sehr gute Ergänzung zu den etablierten astronomischen Fachmagazinen.

Erfolgreiche Sternwarte Tautenburg

Mit Dr. Freimut Börngen war der mit Abstand erfolgreichste Asteroidenforscher anwesend. Der liebenswürdige und weltoffene Berufsastronom, der noch keine einzige Fachtagung ausgelassen hat, durfte in seinen langen Berufsjahren an der Thüringischen Landessternwarte in Tautenburg bei Jena noch mit der klassischen Methode des Fotografie weit über 500 Asteroiden entdecken. 484 sind bis heute nummeriert und viele davon mit Namen aus Wissenschaft, Kultur, Geschichte und Geografie versehen.

Zu den Bahnbogenverlängerungen haben in den letzten Jahren bei etlichen Objekten die beiden „Amateur“-Stationen 113 (Drebach) und 151 (Eschenberg bei Winterthur, Schweiz) beigetragen. Umgekehrt war die Sternwarte Tautenburg während ihrer aktiven Kleinplaneten-Zeit oft  ihrerseits unterstützend für andere Stationen im Einsatz. Mit berechtigem Stolz wies Freimut Börngen auf die Tatsache hin, dass mit Beobachtungen von 033 bis heute immerhin 3404 Asteroiden nummeriert werden konnten – eine höchst eindrückliche Bilanz! Dass heutige Amateurausrüstungen klar tiefere Grenzgrössen erreichen als seinerzeit der fotografische 2-Meter-Spiegel, ist allein das Verdienst der Elektronik. Empfindliche CCD-Kameras und Beobachtungsverfahren, wie sie beispielsweise das Herbert Raabs prächtiges Astrometrie-Programm „Astrometrica“ möglich machen, gestatten heute auch einem durchschnittlich ausgerüsteten Amateur, die 20. Grössenklasse zu überschreiten. - Eigentlich unglaublich ...  

Form von Asteroiden

Helligkeitskurven von Asteroiden lassen Rückschlüsse auf die Form und auch auf eine allfällige Doppelnatur zu. Doch manchmal ist es äusserst problematisch, die komplizierten Kurven aus den praktischen Messungen am Himmel richtig zu interpretieren. Jörg Schirmer (Station 243)  hatte sich im heimischen Keller eine Versuchsapparatur aufgebaut, auf der er Körper mit unterschiedlichen Formen mit einer CCD-Kamera beobachten und die entsprechenden Helligkeitskurven experimentell herleiten kann. Natürlich ist diese Apparatur noch ausbaufähig, und so darf man wohl gespannt sein auf die weiteren Resultate.

Der gemütliche Teil …

Der Sonnabend klang dann beim Abendbrot und dem obligaten Bier im „Haus Erbach“ ausgesprochen gemütlich aus. Für einmal sah man an diesem Abend keine Computer, doch die Asteroidenfreunde hatten natürlich auch so eine Fülle von Erfahrungen auszutauschen und knüpften gleichzeitig neue Freundschaften. Da der Beginn der nächsten Vortragsstaffel am Sonntagmorgen erst auf 9.30 Uhr angesetzt war, blieb auch genügend Zeit für etwas ausgedehntere Sitzungen.

„Pyjama“-Beobachtungen

Während sich „Hinterhof-Astronomen“ (so die despektierlich-wortgetreue Übersetzung für Amateurastronomen in den USA) in Kälte und Feuchte an ihren Teleskopen abmühen, sitzen die modernen Amateure von heute gemütlich zuhause oder im Internetcafe, programmieren über das Web ihre Jobs für ein Teleskop, das Tausende von Kilometern von ihnen entfernt unter einem dunklen Himmel steht, und werten dann nach nur wenigen Stunden in aller Ruhe die Aufnahmen aus. Diese Vision einer total dominierenden Technik ist heute schon Wirklichkeit, wie Reiner Stoss ausführte. Er ist heute Mitarbeiter auf der Station 620 (OAM = Observatori Astronomic de Mallorca) und arbeitet von Deutschland aus gleich mit mehreren vollautomatisierten Meade-Teleskopen auf der Ferieninsel. Das Ziel dieser modernen, vollautomatisierten Arbeitstechnik sei es, möglichst keine „humans-in-the-loop“ mehr zu haben. - Der Mensch also als Störfaktor? Man mag diesen Gedanken sympathisch finden oder auch nicht: Tatsache ist jedenfalls, dass die roboterisierten Teleskope rasant im Vormarsch sind. Und ihre Erfolge lassen sich inzwischen auch bei den Amateuren sehen.  Der schönste Beweis sind die vielen Confirmations an erdnahen Objekten, die mit der Beteiligung der Station 620 gelingen.

Vor wenigen Wochen ist, wie Reiner Stoss weiter ausführte, in der Sierra Nevada, 80 km nördlich von Calar Alto in Südspanien, eine weitere automatische Station in Betrieb gegangen, die demnächst auch noch ein 60cm-Teleskop erhalten soll. Man darf also gespannt sein, was diese „kleinen Rasenmäher“ uns noch alles bringen werden...

Aktiv in den Medien

Jens Kandler dokumentierte mit einigen Medienausrissen die Freuden und Leiden der Öffentlichkeitsarbeit einer Sternwarte. Die Drebacher sind seit Jahren sehr aktiv auch in ihren Kontakten zu den Medien und verstehen es, damit ihre Institution bekannt zu machen und bekannt zu halten. So erschienen sehr schöne Presseberichte jeweils bei der Übergabe des Kleinplaneten 1991 GV9 mit dem Namen „Drebach“ – ein Geschenk übrigens von Dr. Freimut Börngen - und dann erst recht bei der Entdeckung des ersten eigenen Kleinplaneten (31147) 1997 UA4. Ob die dabei von einer Regionalzeitung gedruckte Schlagzeile „Jens guck in die Luft“ der Würde des Ereignisses und der bewiesenen Ernsthaftigkeit des Entdeckers allerdings angepasst war, mag zu diskutieren sein.
Eine ganz harte Medienschlacht hatte Drebach im März 2002 zu schlagen, nachdem damals der Gastbeobachter André Knöfel in Drebach über den „Potentially Hazardous Asteroid“ 2002 EL6 gestolpert war. Dieser „gefährliche“ Himmelskörper liess dann die Redakteure die ganz grossen Buchstaben hervorkramen. Die TV-Teams gaben sich gegenseitig die Klinke in die Hand. Der solchermassen vorgeführte André Knöfel durfte sich für einmal wie der Bundeskanzler fühlen und die stille Sternwarte Drebach avancierte zu einer Filiale des Bundeskanzleramts.

Sehr schöne Medienereignisse sind für eine Sternwarte natürlich die Bekanntgabe von Benennungen: Wenn man einem lokalen Volkshelden wie dem Wildschütz Karl Stülpner zu himmlischen Ehren verhelfen darf, dann haut dies wahrscheinlich ausserhalb des Erzgebirges niemanden vom Sockel. Anders sieht dies aus, wenn man noch lebenden Fachkollegen und Freunden, international erfolgreichen Sportskanonen oder gar leibhaftigen Astronauten zur hohen Ehre eines eigenen Asteroiden verhilft. So wird am 5. September 2004 zum Jubiläum „35 Jahre Astronomie in Drebach“ der erste deutsche Kosmonaut Sigmund Jähn im Krokus-Dorf erwartet. Auch er, der „Erste Deutsche im All“ kreist heute in Form eines Drebacher Kleinplaneten noch immer und für alle Ewigkeiten durchs All. Und seine Anwesenheit am Jubiläumsakt wird natürlich erneut für eine gebührende Medienpräsenz sorgen.

Ruheständler im Vormarsch

Mit Peter Kocher (A16), Dr. Helmut Denzau (A32) und Rolf Apitzsch (198) stellten zum Abschluss der Tagung drei dynamische (Früh-)Pensionäre ihre liebevoll aufgebauten Privatobservatorien vor. Es muss schon ein tolles Gefühl sein, wenn man endlich seinen kosmischen Lieblingen auch ohne die Lasten seines Berufes nachstellen darf.

Peter Kocher, ehemaliger Gymnasiallehrer für Erdwissenschaften, ist heute Technischer Leiter einer gut ausgebauten öffentlichen Sternwarte in Ependes im französischsprachigen Teil der Schweiz. Im Garten seines Hauses in Tentlingen (Kanton Freiburg) hat er sich ein sehr hübsches Observatorium mit einem 30cm-Spiegel und einer ST8XE gebaut. Er holte sich erst kürzlich und in hartnäckiger Arbeit  das nötige theoretische Rüstzeug für die Astrometrie und erzielte schon einige ganz schöne Erfolge mit NEAs. Es wird wohl nur noch eine Frage der Zeit sein, bis er auch mit dem ersten „Tentlinger“ aufwartet...

Ein Referat der besonderen Art bot dann Dr. Helmut Denzau. Der Physiker ist nach seiner glücklich über-standenen Verabschiedung in den (bezahlten) Vorruhestand nach Schleswig-Holstein gezogen und betreibt dort unweit der Ostsee in einem 200-Seelen-Dörfchen unter dunklem Himmel eine hübsche Sternwarte. Wie es zum Bau dieses Garten-Observatoriums kam, schilderte Helmut Denzau mit trockenem Humor und erntete für seine geradezu köstlichen Ausführungen viel Beifall. Sein Hauptinstrument ist ein C-14 auf einer Paramount-1100-Montierung mit einer ST-6 und viel Zubehör wie Video-Kameras und Fotometer, um auch weitere Ereignisse am Nachthimmel dokumentieren zu können. Erstaunlicherweise wurde bei dieser neuen Sternwarte erst mal das Teleskop auf eine stabile Fundamentierung gesetzt. Es dauerte dann Monate, bis die vorerst in einem billigen Aldi-Zelt untergebrachte Computeranlage endlich in das ums Teleskop herumgebaute Holzhaus mit Schiebedach umziehen konnte. Als der Sternwartebesitzer den Dorfelektriker damit beauftragte, insgesamt 42 Steckdosen im kleinen Haus zu installieren, habe der ungläubig nachgefragt, ob er dies auch wirklich ernst meine.

Ein Schmuckstück von einer Sternwarte hat sich Rolf Apitzsch in Wildberg, im Schwarzwald, gebaut. Das hübsche Kuppelgebäude enthält ein Meade-Teleskop C9 mit einer SXV-H9-Kamera mit einem empfindlichen Sony-Chip und einer parallel montierten ST-6 für die Nachführung. Das Instrument verfügt über eine ausgezeichnete Nachführung mit einer Mel Bartels-Steuerung. Mit zusätzlichen Programmen hat Rolf Apitzsch auch die in der Astrometrie häufig auftretenden Zeitfehler sauber im Griff. Der Referent nimmt es auch penibel genau mit der Residuen-Kontrolle und prüft mit einem selber entwickelten Programm-Tool jede Beobachtungsstaffel vor dem Einschicken ans MPC. Momentan ist auf 198 ein neues Teleskop in Arbeit. Ein hübscher 355mm-Newton / f 4.1 soll noch diesen Herbst sein „First Light“ erleben.

Tschüss – bis nächstes Jahr in Heppenheim ...

Mit diesen drei sehr schönen Referaten von hochaktiven Senioren, die ihre wiedergewonnene Freizeit sehr sinnbringend zu nutzen wissen und dafür auch nicht unerhebliche Ersparnisse opfern, ging die diesjährige Tagung zu Ende. In seinem Schlusswort lobte Harrie Rutten aus Arcen in den Niederlanden den Tagungsinhalt in höchsten Tönen und schloss seine Würdigung und seinen Dank an die Tagungsleitung mit den vielsagenden Worten und dem wohl schönsten Kompliment: „So was muss es unbedingt auch in Holland geben!“

In Deutschland jedenfalls gibt es die nächste Kleinplaneten-Tagung wieder am 18./19.Juni 2005 auf der Starkenburg-Sternwarte in Heppenheim. Und der Schreibende müsste sich doch auch gewaltig täuschen, wenn an diesem fraglichen Termin nicht bald auch der Vollmond dann in die Szene leuchtet... 

Bildergalerie


Gemeinsames Beisammensein

Gemeinsames Beisammensein

Barbara Börngen, Reiner Stoss,
Markus Griesser, Felix Hormuth

Katrin Lehmann #113
Dr. Helmut Denzau #A32

Gerd Weber, Dr.Thomas Müller

Markus Griesser #151

Dr. Freimuth Börngen  #033
Peter Kocher #A16

Felix Hormuth #611
Dr. Freimuth Börngen #033

Thomas Payer #636

Jörg Schirmer #243
Andreas Viertel

Dr. Freimuth Börngen #033

Fam. Meyer,
Dr. Freimuth Börngen

Josef Müller

Dr. Freimuth Börngen #033

Jens Kandler #113

Peter Kocher #A16

Erich Meyer #540

Reiner Stoss #620

Dr.Thomas Müller

Thomas Payer #636

André Knöfel #***

Gerhard Lehmann #113

Reiner Stoss #620

Dr. Helmut Denzau #A32

Rolf Apitzsch #198

Rolf Apitzsch #193

Harrie Rutten

Harrie Rutten


Dr. Eberhard Bredner

Fam. Meyer, Markus Griesser